Aus dem echten Leben

Richard, 33 Jahre: Seit dem einzelne Kolleg:innen wieder im Büro sind und andere aber noch mobil arbeiten haben wir ein einzige hybrides Durcheinander

In dieser Rubrik schreibe ich über Fälle, die an echte Arbeitssituationen angelehnt sind. Vielleicht erkennt sich der ein oder andere wieder und profitiert von den hier skizzierten Lösungen 

„Keiner weiß mehr Bescheid, wer wann wo ist und im Zweifel sind diejenigen gekniffen, die gerade nicht vor Ort sind. Und das nennt sich dann schöne neue hybride Arbeitswelt“ 

Richard ist 33 Jahre alt und arbeitet im Projektgeschäft bei einem großen Bauunternehmen. Er ist es gewohnt in Teams zu arbeiten, die nicht alle an einem Ort sitzen. Vor der Pandemie und vor allem während der Zeit der strikten dezentralen Arbeitsweise war die Zusammenarbeit im Team seiner Meinung nach sehr ergebnisorientiert. Seit dem einzelne Kolleg:innen jedoch wieder vor Ort im Büro arbeiten, beobachtet er einen für ihn neuen und irritierenden Trend: Diejenigen, die sich vor Ort im Büro physisch treffen, scheinen Absprachen zu treffen, ohne die mobil arbeitenden Teammitglieder einzubeziehen. Und obwohl mobile Arbeit für alle Mitarbeitenden seit vielen Jahren möglich ist und auch von allen genutzt wurde, gibt es nun einzelne Kolleg:Innen die zu 100% vor Ort im Büro sind. Das irritiert Richard zunehmend. Seine Vermutung ist, dass einzelne Kolleg:Innen sich von ihrer „Vor-Ort-Arbeit“ einen persönlichen Vorteil erhoffen, um ihre Karriere voran zu treiben. Konkret bestätigt sieht er sich in dem Umstand, dass es bereits vorgekommen ist, dass Kolleg:Innen, die alle zusammen im Büro sitzen, Entscheidungen für gemeinsame Projekte getroffen haben ohne die anderen Projetmitglieder einzubeziehen. Richard ist wütend und reibt sich zunehmend an dem Thema auf. 

Was tun?: Klar ist, dass in einer hybriden Arbeits-Konstellation mobil arbeitende Kolleg:innen genauso in Entscheidungsprozesse einbezogen werden müssen, wie diejenigen, die vor Ort sitzen. Und zwar ganzheitlich und nicht nur zur Präsentation der bereits informell getroffenen Entscheidung. Entsteht der Eindruck, dass hier eine Schieflage entsteht, empfiehlt es sich, das konkret anzusprechen. Doch damit es erst gar nicht so weit kommt, gilt es verschiedene Punkt zu beachten. Grundsätzlich sollte das Arbeitsmodell – zumindest im Projektteam – grundsätzlich geklärt sein und jedes Teammitglied wissen, wie und wo wer arbeitet. Außerdem gilt es, die Kommunikation im Team zu regeln. Für hybride Meetings ist die Regel simpel: auch wenn alle Kolleg:innen schon vor Ort sind, wird nicht gestartet bevor die online zugeschalteten Kolleg:innen auch dabei sind. Dies erfordert ein Bekenntnis aller Teammitglieder zu einer hybriden Arbeitsweise und eine Arbeitskultur, die ein gleichberechtigtes Miteinander gewährleistet.

Im Fall von Richard half das konkrete Ansprechen seiner Beobachtungen, um alle daran zu erinnern, welche kommunikativen Regeln bereits vor dem Ende der Pandemie im Team gegolten haben. Denn die hybride Zusammenarbeit ist keine Form der Zusammenarbeit, die erst erlernt und verinnerlicht werden musste. 

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