Aus dem echten Leben

Petra, 42 Jahre – Bilanz von einem halben Jahr Home-Office: Jetzt habe ich das Gefühl, von meinem Chef gar nicht mehr wahrgenommen zu werden

In dieser Rubrik schreibe ich über Fälle, die an echte Arbeitssituationen angelehnt sind. Vielleicht erkennt sich der ein oder andere wieder und profitiert von den hier skizzierten Lösungen

„Ich hatte vorher schon das Problem, dass mein Chef meine Arbeit nicht wirklich anerkannt und gewürdigt hat. Jetzt im Home-Office bekomme ich noch nicht einmal mehr Feedback.“ 

Petra ist 42 Jahre alt und arbeitet als Sachbearbeiterin bei einem großen Versicherungskonzern. Ihr daily business ist die Bearbeitung von Schadensfällen. Sie ist aber auch in kleinere und größere Projekte involviert. Zunächst schien die Zeit im Home-Office ihrer Motivation und Produktivität keinen Abbruch zu tun, aber so langsam fühlt sie sich „abgehangen“. Denn im Gespräch mit den Kollegen wird immer wieder deutlich – der gemeinsame Chef scheint mit allen anderen viel häufiger zu kommunizieren. Zu relevanten Projekten scheinen alle anderen viel mehr zu wissen und auch den Standpunkt des gemeinsamen Vorgesetzten zu kennen. Petra fühlt sich ausgegrenzt, abgehangen und nicht wahrgenommen. 

Was tun?: Klar ist, dass aus einer eher zurückhaltenden Mitarbeitern im Home-Office kein Viel-Kommunizierer wird. Nicht geklärt ist, ob Petra sich nur „abgehangen“ fühlt oder ob ihr Gefühl darauf hindeutet, dass ihr Chef andere Teammitglieder wirklich vorzieht. Es gibt also keine schnelle Lösung sondern nur ein „Herantasten“. Natürlich muss sich der Chef den Vorwurf gefallen lassen, dass er sich als Vorgesetzter häufiger bei Petra melden müsste. Bringt das aber Petra in ihrer Situation weiter? Ein kurzes „Guten Morgen“ auf dem Gang oder ein „wie läufts“ beim Besuch im Büro fällt im Home-Office einfach weg. Für Kommunikation braucht es im Home-Office Initiative. Und ergreift der Chef die Initiative nicht, ist es vielleicht am Mitarbeiter diese zu ergreifen. Wie wäre es also, wenn Petra aktiv würde. Sie könnte regelmäßige Update-Calls einfordern und in 5 Minuten dem Chef die jeweiligen Stati ihrer Projekte berichten. Wichtig dabei: Petra muss den aktiven Part übernehmen. Allein Gesprächs-Termine einstellen und erwarten, dass der Vorgesetzte die richtigen Fragen stellt, funktioniert nicht. Möglicherweise ist für den Vorgesetzten die Home-Office Situation nämlich genauso gewöhnungsbedürftig und er weiß nicht, wann und wie er seine Mitarbeiter am besten „abholt“. Ein anderer Tipp wäre auch, einfach mal bei der Lieblingskollegin nachzufragen, wie sie die Absprachen mit dem Chef handhabt. 

In diesem Fall musste Petra gar nicht aktiv werden, denn ihr Chef hat von sich aus wöchentliche Update-Calls mit ihr vereinbart. Darin konnte sie über ihre Projekte berichten und bekam die entsprechende Rückmeldung ihres Vorgesetzten. Damit fühlte sich Petra wieder mehr als Teil des Teams und hatte eher das Gefühl wieder „gesehen zu werden“. 

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